Menschlicher Kontakt wird zum Luxus
Im Young Founder Network freuen sich alle auf die effiziente Zukunft. Ich glaube, sie übersehen, was dabei zum teuersten Gut wird.
Ich denke viel über die Zukunft nach. Wahrscheinlich wie die meisten. Wie sieht unsere Welt in zwanzig Jahren aus?
Im Young Founder Network führe ich Gespräche mit Leuten, die sich auf genau diese Zukunft freuen. Alles wird effizienter. Alles kommt individuell nach Hause. Und solange man die Umwelt nicht vergisst, wird es durch die schiere Masse am Ende auch billiger. Das ist die Erzählung, und sie ist nicht falsch.
Ich glaube nur, sie übersieht etwas.
Es gibt eine gute Chance, dass Luxus in zwanzig Jahren nicht mehr über Diamanten läuft. Nicht mehr nur über das Material. Sondern über den menschlichen Faktor.
Luxus wird sein, sich leisten zu können, das teure Stück an der Fleischtheke zu kaufen und sich dabei mit dem Metzger zu unterhalten — statt es per App zu bestellen und vor die Tür gestellt zu bekommen. Die Anfänge sieht man schon.
Man könnte einwenden: War es nicht immer schon so? Der Wochenmarkt war teurer als der Supermarkt, das Handgemachte teurer als die Fabrik. Stimmt. Das gab es immer.
Was neu ist, ist der Zwang. Uns fehlen die Arbeitskräfte, der demografische Wandel drückt von unten. Also wird alles effizienter — und Effizienz heißt am Ende fast immer dasselbe: weniger Menschen zwischen dir und dem, was du kaufst. Weniger Reibung. Weniger Warten. Weniger Gespräch. Weniger Mensch.
Wir bauen gerade eine Welt, in der das Menschlichste zum Teuersten wird. Vielleicht ist das kein Fehler im System. Vielleicht ist es das System.
Menschlicher Kontakt wird zum Luxus. Ich bin mir nur nicht sicher, ob wir uns diesen Luxus dann noch leisten wollen — oder ob wir bis dahin verlernt haben, ihn überhaupt zu vermissen.